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Liebe Leser,

an dieser Stelle der Internetseite möchte ich einmal darstellen, welche Erkenntnisse man bei der Auswertung von Kriegstagebüchern gewinnen kann.
Leider sind die Kriegstagebücher ("KTB") der preussischen Feldlazarette ("FL") wohl alle vernichtet worden.
Aber glücklicherweise haben die KTB der sächsischen FL die Zeiten heil überstanden.

So war es Herrn Ralf DUNGER aus Dresden möglich, mehrere KTB einzusehen und Abschriften zu erstellen.
Einige dieser Unterlagen hat er mir freundlicherweise zur Auswertung zur Verfügung gestellt.
In meinen Augen hat er durch sein Engagement einen wichtigen Beitrag zur Sanitätsformationenforschung geleistet.
Vielen herzlichen Dank dafür, lieber Ralf.

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Die Kriegstagebücher des sächsischen Feldlazarettes Nr. 12 des XII. Armeekorps

(incl. späterer Bezeichnungen).

Allgemein:
Der Chefarzt eines FL war dafür verantwortlich, daß der Betrieb möglichst reibungslos funktionierte.
Er mußte sich unter anderem darum kümmern, daß ...
- genug Material zur Verfügung stand (zum Beispiel Verbandszeug, Operationsmaterial, Betten, allgemeine Ausrüstung usw.),
- zum Transport der Materialien, der Ärzte, Pfleger und anderen Lazarettbediensteten Pferde und Wagen vorhanden waren,
- Mensch und Tier ausreichend mit Nahrung und Getränken versorgt wurden,
- sein Personal je nach Fähigkeiten eingesetzt wurde (z.B. Dienstplan),
- sämtliche bürokratischen Regeln beachtet und umgesetzt wurden,
- Kriegstagebücher geschrieben wurden.

Chefarzt im FL 12 / XII. AK war seit dessen Aufstellung am 13.08.1914 Dr. Max GRUNER.
Als aktiver Stabsarzt erlebte er den Krieg seit der Mobilmachung vom ersten Tag an.
Es gab "Bestimmungen über die Führung und Behandlung der Kriegstagebücher und Kriegsakten", nach denen er das KTB zu führen hatte.
Diese Bestimmungen sind auf zwei ganzen Seiten abgefasst, weshalb ich diese hier als Abschrift zur Verfügung stelle (als kostenfreien Download) > hier klicken

Die KTB des FL 12 / XII. AK enthalten zum Beispiel fast alle Ortsnamen, an denen dieses sich aufgehalten hat.
Dazu gehören nicht nur solche Orte, an denen das FL aktiv tätig war, sondern auch solche, die es auf dem Weg zu einem Bestimmungsort passiert hat.
So wird beispielsweise die Route der Bahnfahrt von der West- zur Ostfront beschrieben.
Und auch die Ortschaften, durch welche anschließend vom Bahnhof zum Lazarettort marschiert wurde, werden genannt.

An manchen Orten blieb das FL 12 längere Zeit und so hatte der Chefarzt sogar Zeit, die Gebäudebelegung in dem entsprechenden Ort zu beschreiben.
Ja, sogar Zeichnungen sind vorhanden !
Wir haben versucht, diese unter Wahrung der geltenden Urheber- und Nutzungsrechte aufzuarbeiten und hier zu präsentieren.
Auf diese Weise erhält man einmal eine Ahnung davon, daß ein FL nicht einfach nur eine "rollende Bretterbude" oder ein paar "Zelte auf Panjewagen" war.
Diese Vorstellung gilt nur für die Zeit des Marschierens.
Sobald sich ein FL eingerichtet hatte, belegte es meist mehrere Gebäude und konnte, je nach den gegebenen Umständen, die Größe eines voll ausgestatteten Krankenhauses erreichen.
Sie können die Zeichnungen als PDF-Datei herunterladen, indem Sie hier klicken:
> Feldlazarett Westfront-1

> Feldlazarett Westfront-2

> Feldlazarett Westfront-3

> Feldlazarett Westfront-4


> Feldlazarett Ostfront-1

> Feldlazarett Ostfront-2

In den KTB des FL 12 / XII. AK wird regelmäßig über die Verpflegung und die Stärke der zu verpflegenden Personen berichtet.
Dabei werden jedoch nur die Angehörigen des FL gezählt; also Menschen und auch Pferde.
Die zu verpflegenden Kranken und Verletzten (Soldaten, Zivilisten usw.) zählten nicht zum Etat des FL und wurden somit nicht regelmäßig in den KTB erfaßt.

Außerdem geben die KTB Aufschluß über die Namen der Ärzte, deren Rang, sowie Funktionen innerhalb des FL.
Auch Hinweise auf Auszeichnungen (z.B. "Eisernes Kreuz") wurden eingetragen.
Wie eingangs erwähnt, war Dr. Max GRUNER der Chefarzt im FL 12 / XII. AK.
Er war zu Beginn des Krieges bereits Stabsarzt und wurde im Verlauf der Kriegsjahre zum Oberstabsarzt befördert.
Auch andere Ärzte "machten Karriere".
Zum Beispiel der landsturmpflichtige Arzt Dr. BRANDT, welcher vom Oberarzt zum Stabsarzt avancierte.
Oder Dr. Anton HAUSMANN, der als Unterarzt der Landwehr II. vom Assistenzarzt zum Oberarzt aufstieg.
Dr. Johannes MANSKOPF wurde ebenfalls vom Assistenzarzt zum Oberarzt befördert.
Und dann waren da noch die Feld-Unterärzte Dr. Willibald NITTNER , sowie Dr. Johannes GÜNTZ, welche beide während der Kriegszeit zum Assistenzarzt ernannt wurden.

Manchmal wurden Ärzte oder weiteres Lazarettpersonal zu anderen Einheiten oder Sanitätsformationen abkommandiert.
Solche Ereignisse wurden ebenso dokumentiert, wie das (vorübergehende) Ausscheiden eines Arztes wegen Krankheit.
Für den Feldunterarzt GOLDAMMER wird bespielsweise eingetragen, daß er den Befehl erhält (!), sich während seines Heimaturlaubs krank zu melden.
Warum ?
Bevor er in die Heimat fuhr, hatte er einen Abstrich der Mandeln machen lassen.
Während seines Urlaubs hatte das Feldlazarett nun den Untersuchungsbefund erstellt.
Und bei ihm Diphterie festgestellt.
Damit er die Krankheit nicht an andere überträgt, mußte er sich "zwangs-krankmelden".

Leider sind keine Hinweise auf Namen von anderem Lazarettpersonal wie z.B. Krankenpflegern vorhanden !

Gemäß der eingangs erwähnten Bestimmungen wurden viele Vorgänge niedergeschrieben, die das Lazarett betreffen.
So erfährt man zum Beispiel an einer Stelle, dass das Lazarettpersonal während einer Wartezeit Verbandstoffe selbst herstellte.

Eine tägliche Notiz hingegen sind die Wetterverhältnisse.
Wenn sich "höherer Besuch" zur Inspizierung oder Besprechung eingefunden hatte, wurde dies ebenfalls notiert.
Dazu zählten zum Beispiel der Divisions- oder der Korpsarzt.
Auch wenn das Personal die Möglichkeit hatte, eine Badestelle oder Badeanstalt in der Nähe zu benutzen, wurde dies schriftlich festgehalten.
Auf Entlausungsanstalten wurde natürlich ebenso hingewiesen.

Beim Durchlesen der KTB erhält man auf diese Weise einen sehr anschaulichen Einblick in das Geschehen eines FL.
Und zwar sehr objektiv, ganz ohne den üblichen Heroismus oder die Abneigung gegen die Geschehnisse.
Leider wäre das Abschreiben der KTB eine langwierige Angelegenheit, weshalb ich dies nicht in Angriff genommen habe. Aber Ralf Dunger hat es getan ! > siehe unten der rötlich-braune Text.

Um dennoch auf dieser Internetseite einen kleinen Überblick über das FL 12 / XII. AK bieten zu können, habe ich eine Auflistung erstellt, welche Sie sich kostenfrei als PDF-Datei herunter laden können.
Die Liste enthält alle Bezeichnungen, welche das Lazarett bis zum Kriegsende hatte, sowie die ermittelten Unterstellungen zu übergeordneten Truppenteilen, sowie die meisten Standorte, sowie die Namen der Ärzte und die Verpflegungsstärken.
Bitte klicken Sie zum herunterladen hier > hier klicken

Viel Spaß beim Lesen und Auswerten der Daten.

Wenn Sie nun Interesse an der fast vollständigen Abschrift aller zum FL 12 / XII. AK gehörenden Kriegstagebücher gefunden haben, gibt es eine gute Nachricht:

Auf der Internetseite > feldlazarette-sachsen.jimdo.com < steht dieses Dokument kostenfrei zum Lesen, sowie zum Download zur Verfügung. Sie finden die PDF-Datei dort im Abschnitt "Standorte" > "FL 354".

Und bitte denken Sie daran:
Ralf DUNGER hat sich sehr viel Mühe gegeben, sowie viel Zeit und Geld investiert.

Achten Sie darauf, die hier veröffentlichten Daten nicht an Dritte weiter zu geben, ohne vorher (!) bei mir oder Ralf DUNGER um ein Nutzungsrecht zu bitten.
Es besteht ein Urheberrecht auf diese Veröffentlichung !

 

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